Monstranz

Jesus im Schauen begegnen

Eine Sonne oder ein gotisch gestalteter Ständer fassen eine große, runde Hostie ein. In diesem Brot ist Jesus gegenwärtig, so hat er es beim letzten gemeinsamen Mahl seinen Jüngern versprochen. Meist sind die Hostien im Tabernakel verschlossen. In der Monstranz wird sie den Menschen vor Augen gestellt oder an Fronleichnam zum Segen der Häuser und Felder durch die Straßen getragen.

Wir kann aber Jesus in einem Stück Brot gegenwärtig sein. Es ist möglich, weil er nicht mehr Zeit und Raum unterworfen, sondern in eine andere Wirklichkeit hinübergegangen ist. Weil er nicht mehr Teil dieser Welt ist, gibt es keine Entfernung zu ihm. Das Brot als Hostie drückt aus, dass die Materie für Anderes durchsichtig sein kann. So massiv Materie im Tabernakel die Hostien vor falschem Zugriff schützt, so zart ist die Hostie. Es ist wie eine Malerei. Auf einer Felswand haben schon Menschen vor 20.000 Jahren Tiere dargestellt. Die Wände der mittelalterlichen Kirchen erzählen von Jesus und Heiligen. Der Barock eröffnet einen Blick in den Himmel.

Wenn von Wandlung des Brotes in den Leib Christie gesprochen wird, dann kennen wir das aus anderen Zusammenhängen. Ein Buch wird gewöhnlich gekauft, um sich den Inhalt anzueignen. Wird es in Papier eingewickelt, „verwandelt“ es sich in ein Geschenk. Es bleibt Papier wie die Hostie Brot, jedoch wird aus einem Buch ein Geschenk. Dass es auf dem Papier eine Geschichte erzählt oder einen Sachverhalt darstellt, bleibt bestehen. Jedoch könnte ein anderes Buch als Geschenk eingepackt werden, da entscheidend das Geschenk-Sein geworfen ist. Jesus selbst verbindet das Brot mit einer Bedeutung:

Im Brot erhalten die Gläubigen Anteil am Tod Jesus:
„Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“

Mit dem Wein schließt Jesus einen Bund mit denen, die sich zu ihm bekennen:
„Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“

Den Bund besiegelt er, indem er sich hinrichten lässt, um so die Sündenlast auf sich zu nehmen.

Wie die Reformation sich durch die Worte der Bibel bis heute berühren lässt, so die Gotik durch das Schauen der Hostie. Das Schauen der Hostie, nicht mehr der Empfang der Hostie, ist die Kommunion. Da wir inzwischen in einer Epoche des Bildes angekommen sind, suchen junge Menschen die Nähe zu Jesus durch das Schauen auf die Hostie. In der Epoche des Bildes das Schauen.

Tabernakel

Der Thron Christ

Im Zielpunkt des Raumes sehen wir etwas erhöht auf dem Altar ein Metallgehäuse. Es wirkt wie ein kleiner Tresor. Auf den Türchen ist  ….. zu sehen. Diese weisen auf das hin, was in dem Tresor verschlossen ist. Es sind nicht Brillanten oder Goldbarren, sondern Hostien, in denen Christus gegenwärtig ist. Das erklärt den Platz, der dem Tresor, „Tabernakel“ genannt, eingeräumt wird. Er thront auf dem Altarttisch. Während im Zentrum eines Barockschlosses der Fürst im Fluchtpunkt des Gebäudes Platz nimmt, erhält Jesus diesen Platz in der Kirche. Sie ist im Barock als himmlischer Thronsaal gestaltet. Jesus, der Auferstandene wird als Sieger über das Böse dargestellt und in der Herrlichkeit Gottes gefeiert.

Die vom Auferstandenen Eingeladenen sehen im Deckengemälde den Himmel offen und die Heiligen in den Figuren der Kirche präsent. Einige von ihnen haben ihren Dienst für diesen ihren Fürsten mit dem Tod besiegeln müssen. Er hat sie nicht per Befehl von seinem Thron aus in den Tod geschickt. So wie er selbst hingerichtet wurde, sind auch sie hingerichtet worden. Deshalb ist der Kichenraum nicht für die Repräsentation irdischer Machtfülle entworfen, sondern als himmlische Festsaal.

Anders als bei einem Schloss bleibt der Thronsaal offen, so dass die Menschen über den ganzen Tag hineingehen können. Der Herrscher ist für die einzelnen im Gottesdienst besonders nahe.

Jüngere Kirchen rücken oft den Tabernakel an die Seite oder stellen ihn in einer Seitenkapelle auf. Damit soll bei der Messe die Aufmerksamkeit auf Brot und Wein auf dem Altartisch gelenkt werden.

Sakramentshäuschen

Das Leib Christi

Auf der linken Seite des Altars steht ein Gehäuse. Solche Sakramentshäuschen finden sich in gotischen Kirchen. Sie sind von Steinmetzen wie ein Kirchturm gestaltet. In diesen kleinen Turm ist ein Kasten eingelassen, den man verschließen kann. In diesem werden die Hostien aufbewahrt, die von einem Gottesdienst übriggeblieben sind. Diese gestalteten Sakramentshäuschen zeigen die besondere Verehrung der bleibenden Gegenwart Jesu in der Hostie. Vorher wurden diese in einem Seitenraum neben dem Chorraum aufbewahrt. Die Gotik rückt diese Hostien mehr an den Altar heran. Der Kirchenraum wird zu einem Ort, in dem man nicht nur im Gottesdienst die Gegenwart Jesu erfahren kann, sondern mit dem Betreten der Kirche.

Wie die Türme, die Portale ist auch dieser Bauteil einer gotischen Kirche mit Figuren und Reliefs ausgestaltet.

Nur die Gotik hat solche prächtigen kleinen Türme gestaltet. Im Barock wir der Metallkasten, der in das Sakramentshäuschen eingelassen ist, auf den Altar gestellt.